Die U9 des Prinzen oder die Inkonsequenz der Erwachsenen

Heute war die Vorsorgeuntersuchung U9 des Prinzen. Wir waren guter Dinge, sind vorher zusammen frühstücken gegangen und haben über den „Apfelsaft“ (das Morgen-Urin) gescherzt, den wir dem Arzt mitbringen sollten. Kaum waren wir dort, hat der Prinz nur noch Quatsch gemacht.

Zum Wiegen, Messen, Hör- und Sehtest konnten wir ihn noch irgendwie bewegen.

Den Sprachtest hat er komplett verweigert. Da halfen auch keine Überredungskünste, Drohungen oder Appelle an seinen Stolz. Er hat es nicht gemacht.

Und ich war sauer. So sauer, dass ich ihn im Auto zur Kita zusammengefaltet habe. Mit Argumenten, die, wenn man ehrlich ist, für einen 5-jährigen ungeeignet sind.

Zuhause habe ich meine Wut als ungerechtfertigt und falsch empfunden und ich habe mich gefragt: Warum war ich eigentlich so sauer? Weil mein Sohn heute nicht der Vorzeigesohn war, den ich mir wünsche? Weil diese komplette Verweigerung ein schlechtes Bild abgibt? Oder weil er nicht die gewünschte Leistung erbracht hat? Ich weiß doch, dass er sprachlich über dem Durchschnitt liegt. Also könnte es mir völlig egal sein ob er nun diese blöden Wörter nachspricht oder nicht.

So richtig greifen kann ich die Antwort nicht, aber es hat etwas mit dem Bild nach Außen zu tun. Und mir fiel ein Text ein, den ich vor kurzem auf der Facebook-Seite von Kinderleute entdeckt habe und den ich gerne zitieren möchte:

Nicht sehr konsequent – diese Erwachsenen:

Sie wollen, dass wir selbständig werden und nehmen uns trotzdem dauernd alles ab.

Sie wollen, dass wir einfühlsame und mitfühlende Lebewesen werden, aber wenn wir hinfallen sagen sie: „Stell Dich nicht so an“ und „ist ja nix passiert!“

Sie wollen, dass wir einzigartig sind und werden, und dann verlangen sie, dass wir uns dauernd angepasst verhalten.

Sie wollen, dass wir lernen gerne mit anderen zu teilen und dann zwingen sie uns dazu, unseren Lieblingsbagger einem anderen Kind zu geben.

Sie wollen, dass wir lernen unsere Gefühle zu kontrollieren, aber erlauben uns nicht Gefühle zuzulassen.

Sie wollen, dass wir lernen Entscheidungen zu treffen, aber erlauben uns nicht einmal, unsere Kleidung selbst auszusuchen.

Sie wollen, dass wir uns in der Schule einmal gut und lange konzentrieren können, aber sie unterbrechen uns in den schönsten Spielen, weil unsere Versunkenheit ins Spiel gerade nicht in ihren Tagesablauf passt.

Sie wollen, dass wir eine gesunde Beziehung zum Essen aufbauen und dann zwingen sie uns dazu Erbsen oder Spinat zu essen, wenn wir grade keine Lust darauf haben.

Sie wollen, dass wir „bitte“ und „danke“ sagen, auch wenn Mama das nie zu Papa sagt.

Sie wollen, dass wir uns sicher fühlen und dann kommen sie nicht, wenn wir sie nachts rufen.

Sie verlangen, dass wir nicht beißen oder hauen, dabei können wir uns noch gar nicht anders mitteilen.

Sie verurteilen uns, wenn wir eifersüchtig sind, anstatt uns zu bestärken.

Sie wollen, dass wir sie verstehen, dabei versuchen sie nicht einmal uns zu verstehen.

Nicht sehr konsequent – diese Erwachsenen

Den Text findet ihr hier, wo er auch zuerst erschien.

Der Text trifft es ganz gut und ich finde mich in vielen Punkten wieder. Kein schönes Gefühl, trotzdem bin ich sehr dankbar für den Text. Einsicht ist der erste Schritt.

Heute abend haben wir nochmal mit dem Prinzen über die Situation und auch die Untersuchung gesprochen. Das werde ich beim nächsten Mal vorher machen. Und ich werde die Entscheidung des Prinzen akzeptieren, wenn er das nächste Mal etwas verweigert, das eigentlich überhaupt nicht wichtig ist. Egal, was das für ein Bild nach außen abgibt!

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